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Optische Inspektion Schienenfahrzeuge

Die manuelle Sichtprüfung von Zügen ist aufwändig, fehleranfällig und im Betrieb schwer skalierbar. Gleichzeitig sind kleine Lackschäden oft der Anfang größerer Probleme: Wird ein Kratzer übersehen, kann Feuchtigkeit eindringen – Rost entsteht, Reparaturen werden teurer, Verfügbarkeiten sinken.

Ein modernes Kamera System für Lackschäden und Rost zielt daher auf eine klare Vision: Ein Zug fährt mit hoher Geschwindigkeit an einer Kamera vorbei – und das System erkennt relevante Defekte zuverlässig und schnell, sodass Instandhaltungsteams zeitnah reagieren können.

Dieser Artikel beschreibt, wie man eine Optische Inspektion für Schienenfahrzeuge praxisnah aufbaut – von der Datengrundlage über Modellierung und Bildverarbeitung zur Defekterkennung am Zug bis zur robusten Implementierung im operativen Ablauf.


Zielbild: Defekte am Zug „im Vorbeifahren“ identifizieren

Die Idealvorstellung in der automatisierten Inspektion ist ein System, das:

  • Kratzer, Lackabplatzer und potenzielle Rostkeime erkennt,
  • unter realen Bedingungen (Reflexionen, Rundungen, Verschmutzung, wechselndes Licht) funktioniert,
  • zeitnah Ergebnisse liefert (nicht erst nach stundenlanger Cloud-Auswertung),
  • und so die Instandhaltung direkt unterstützt – idealerweise, bevor das Fahrzeug in die Werkstatt einfährt.

Damit das gelingt, braucht es mehr als ein Modell „aus dem Lehrbuch“: Entscheidend ist ein Gesamtsystem, das im Betrieb zuverlässig Entscheidungen trifft.


Schritt 1: Bilddaten sammeln – aber in einer kontrollierten Umgebung

Der schnellste Weg zu einem belastbaren System beginnt nicht „irgendwo an der Strecke“, sondern in einer Umgebung, die reproduzierbare Daten liefert. Ein sehr geeigneter Ort ist die Waschanlage.

Vorgehen in der Waschanlage:

  1. Scan vor der Wäsche (verschmutzter Zustand):
    Der Zug wird vor dem Einfahren aufgenommen. So entstehen Daten mit realer Verschmutzung – wichtig, weil Schmutz Defekte maskieren oder imitieren kann.
  2. Scan nach der Wäsche (sauberer Zustand):
    Nach dem Ausfahren wird erneut aufgenommen. Jetzt sind Lackoberflächen klarer sichtbar, Artefakte durch Dreck reduzieren sich.
  3. Defektmarkierungen durch Menschen integrieren:
    Wenn in diesem Prozess ohnehin Sichtprüfungen stattfinden oder Auffälligkeiten markiert werden, können diese Informationen als „Label“ genutzt werden. So wird Fachwissen systematisch digitalisiert – ohne dass ein extra Datenerfassungsprojekt den Betrieb blockiert.

Nutzen:
Die Kombination aus „schmutzig vs. sauber“ hilft, Verschmutzung zu entkoppeln und echte Defekte konsistenter zu identifizieren – ein zentraler Hebel für stabile Bildverarbeitung zur Defekterkennung am Zug.


Schritt 2: Physikalisch plausibles Modell statt reiner Mustererkennung

Bei Schienenfahrzeugen sind Oberflächen oft gekrümmt und erzeugen Spiegelungen. Ein rein datengetriebenes Vorgehen kann daran scheitern, wenn sich Bedingungen ändern (Licht, Kamerawinkel, Lacktyp).

Ein robustes System nutzt deshalb ein physikalisches Erwartungsmodell:

  • Bei einer weich gebogenen Fläche entstehen typischerweise weiche Farb- und Helligkeitsverläufe – auch in Reflexionen.
  • Eine Beule, Kante oder Beschädigung bricht diese Erwartung: In Reflexionen tauchen plötzlich harte Übergänge auf, die im normalen Verlauf nicht vorkommen.

Diese Abweichungen lassen sich oft vergleichsweise einfach über klassische Bildverarbeitung detektieren (Gradienten, Kantenmerkmale, lokale Kontraständerungen) – insbesondere dann, wenn die Aufnahmebedingungen kontrolliert und wiederholbar sind.

Das Ergebnis: Weniger „magische KI“, mehr nachvollziehbare Logik – und damit höhere Robustheit im Betrieb.


Schritt 3: Laufzeit und Betrieb: Ergebnisse müssen schnell verfügbar sein

Instandhaltung ist ein operativer Prozess. Ein System bringt wenig, wenn die Auswertung erst Stunden später vorliegt. Ziel ist:

  • nahezu Echtzeit oder zumindest eine Auswertung „in kurzer Zeit“,
  • idealerweise Edge-nah (vor Ort), statt komplexer Cloud-Pipelines mit langen Laufzeiten,
  • damit Reparaturen frühzeitig geplant oder direkt beim Werkstattbesuch ergänzt werden können.

Gerade bei Lackschäden ist Geschwindigkeit entscheidend: Je früher ein Schaden bekannt ist, desto besser lassen sich Folgeschäden (Rost, Ausweitung) vermeiden.


Schritt 4: Validierung, Fehlerfälle sammeln, nachschärfen

Ein produktives Inspektionssystem ist nie „fertig trainiert“. Der Weg zur verlässlichen Erkennung führt über:

  • Validierung gegen definierte Genauigkeitsziele (Fehlalarmrate, Detektionsrate, relevante Defektklassen),
  • systematisches Sammeln von Fehlerfällen (z. B. Reflexionsartefakte, Schatten, Restverschmutzung, besondere Lackierungen),
  • und gezieltes Nachtunen der Merkmale, Schwellenwerte oder Modelle.

So entsteht ein System, das nicht nur im Demo-Setup funktioniert, sondern über Zeit stabil bleibt.


Was bringt die automatisierte optische Inspektion konkret?

Ein leistungsfähiges Kamera System für Lackschäden und Rost schafft im Betrieb vor allem:

  • Erkennung von Schäden ohne manuellen Großaufwand
    Inspektion wird skalierbar – auch bei großen Flotten und engen Umläufen.
  • Risikoreduktion durch frühe Defekterkennung
    Weniger Wahrscheinlichkeit, dass ein relevanter Schaden übersehen wird und Rost entsteht.
  • Bessere Planbarkeit in der Werkstatt
    Bereits vor dem Einfahren ist klar, welche Lackschäden „on top“ anstehen könnten.
  • Nachvollziehbarkeit
    Datenbasierte Historie: Wann trat welcher Defekt erstmals auf, wie entwickelt er sich?

Fazit: Optische Inspektion ist ein operatives Entscheidungssystem – kein „Kamera-Demo-Projekt“

Eine erfolgreiche Optische Inspektion von Schienenfahrzeugen entsteht nicht durch eine einzelne Komponente, sondern durch ein robustes Gesamtkonzept:

  • kontrollierte Datenerhebung (z. B. Waschanlage),
  • physikalisch plausibles Modellieren von Oberflächen und Reflexionen,
  • effiziente Bildverarbeitung zur Defekterkennung am Zug,
  • schnelle Auswertung für den operativen Nutzen,
  • konsequente Validierung und kontinuierliche Verbesserung.

Damit wird aus der Vision – Defekte „im Vorbeifahren“ zu erkennen – ein System, das Instandhaltung wirklich entlastet und Rostrisiken senkt.


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